Flüchtlingskrise und Karibik Flair in Cartagena

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Ankunft in Cartagena

Während des Fluges musste ich immer wieder an meine Begegnung mit den Autodefensas in Medellin denken. In Das Karibik Flair in Cartagena würde mcih wieder auf andere Gedanken bringen. Der Flughafen liegt ca. 30 km außerhalb der Stadt. Unterwegs zum Taxistand sprach mich ein junger Mann auf Englisch an und zeigte mir sein Fahrzeug. Etwas erschöpft stieg ich ein, ohne auf ein offizielles Kennzeichen zu achten. Im Taxi wurde mir mein Fehler auch direkt bewusst und ich verhandelte direkt den Preis. 25.000 Kolumbianische Pesos, umgerechnet 8 € verlangte der Fahrer für die 40 minütige Fahrt. Cartagena gilt als sichere Stadt und die Bewohner sind meisten, wie fast überall in der Karibik gut gelaunt. Unterwegs trafen wir eine Gruppe junger Frauen. Maurice, der Fahrer, fragte mich, ob ich die Nummern haben möchte und klärte sie für mich. Bei den hübschen Chicas handelte es sich allerdings um Flüchtlinge aus Venezuela, die um über die Runden zu kommen, anschaffen gingen.

Maurice half mir noch, meine Vermieterin zu kontaktieren. Ich hatte das Zimmer über AirBnB gebucht und die Suche gestaltete sich für wie in diesem Fall meistens schwierig. In der Woche lebte ich in der Wohnung von Omeira in einem der Betonklötze im Touristenviertel Bocagrande. Sie erklärte mir, nachdem wir uns gegenseitig vorgestellt hatten, die Hausordnung, von der mir noch zwei Punkte in Erinnerung geblieben sind: Ich durfte keinen Alkohol und keine Frauen (besonders keine minderjährigen Venezuleanerinnen) mit aufs Zimmer nehmen. Das hört sich für Europäer wahrscheinlich merkwürdig an, allerdings lebten zu diesem Zeitpunkt ca. zwei Millionen Flüchtlinge aus Venezuela in Kolumbien. Viele von ihnen hungern und junge Frauen und Mädchen verdienen ihren Lebensunterhalt durch Prostitution. Omarai wollte mit ihren Regeln dem Entgegenwirken.

Taxifahrten und Karibik Flair in Cartagena

Am nächsten Morgen war ich ein wenig aufgeregt, da mich mein erster Schultag in Cartagena erwartete. Bei der Reiseplanung hatte ich mir überlegt, den Weg zu Fuß zu gehen. Ich nahm dann doch auf Omairas Tipp ein Taxi. Taxi fahren ist in Cartagena im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Städten sehr sicher. Mann sollte nur die Festpreise für Fahrten kennen, vorher über den Preis verhandeln und ein paar Wörter Spanisch können.

Ein typisches Gespräch vor einer Fahrt lief ungefähr so ab: „Hola Gringo, Taxi?“  „Wieviel kostet eine Fahrt zur Altstadt.“ „20.000 $“ „Gestern habe ich aber 9.000 $ bezahlt“. Ich wendete mich ab, oder deutete an, dass ich aussteigen wollte. „OK, 12.000 $“. Die offiziellen Preise liegen bei ca. 9.000 $. Für mich war es allerdings ok, den Fahrern etwas mehr zu geben, da viele von ihnen sieben Tage die Woche, je 12 Stunden arbeiten mussten.

Trotz der Armut waren die Fahrten sehr lustig. Die Menschen hatten fast immer gute Laune. Karibik Flair in Cartagena per Excellence. Die Verhandlungen vor der Fahrt machten Spaß. Außerdem pfiffen die Fahrer Frauen jedem Alters nach und der Slang in Cartagena ähnelte dem englischen Karibikslang.

Die Sprachschule von Cartagena

Die Sprachschule Nueva Lengua lag mitten in der Altstadt von Cartagena. Das Gebäude war typisch für die  Karibik. In der Mitte befand sich ein Innenhof, der ebenso wie ein Teil der Küchenzeile und des Aufenthaltsbereichs nicht überdacht war. In der Mitte war ein kleiner Pool, dessen Wasser aber so abgestanden war, dass sich kein Schüler darin abkühlen wollte. Auch in Cartagena war bereits Nebensaison. Nach dem Aufnahmetest, ich erreichte ebenso wie in Mexiko das Niveau A2, wurde ich meiner Klasse zugeteilt. Insgesamt waren wir zu viert. Janina, eine junge Deutsche, Angelique, eine niederländische Stewardess und Karl, ein Rentner aus Tschechien.

Unser Lehrer Jesus hatte  ein bewegendes Leben hinter sich. Als Journalist in Kolumbien hat er sich kritisch gegenüber einige Machthaber geäußert und musste nach England fliehen, weil er in seiner Heimat mit dem Tod bedroht wurde. In Europa vermisste er nach einiger Zeit die kolumbianische Lebensfreude, wurde depressiv und kehrte schließlich nach Kolumbien zurück, während sein Sohn in Europa blieb. Hier arbeitet er jetzt als Spanischlehrer, versorgte uns mit Texten und Diskussionen über politische Themen.

Freizeitangebote in der Sprachschule

Ebenso wie in Mexiko war der Unterricht anspruchsvoll, die Atmosphäre aber sehr locker und die vier Tage vergingen wie im Flug. Das lag auch an dem Freizeitangebot der Schule, das ich in der Woche auch voll ausnutzte. Ich nahm wie in Mexico an den Salsa Kursen teil, die hier unter flachen Himmel auf dem Schuldach stattfanden.  Eine junge, feurige Kolumbianerin brachte uns ins Schwitzen. Glücklicherweise gibt es bei Tanzkursen einen Frauenüberschuss und die männlichen Tänzer sind bei den Damen heiß begehrt. Neben Salsa tanzten wir auch Bachata und Tänze der Ureinwohner Kolumbiens.

Zu dem Freizeitangebot gehörte auch ein kostenloser Kochkurs. Besonders beliebt ist in Kolumbien der schwarze Reis. Schwarzer Zucker wird in Kokosnussmilch geschmolzen. Der Reis wird in dem flüssigen Zucker angebraten und erhält dadurch seinen süßlichen Geschmack

Außerdem bietet die Schule ein soziales Projekt an. Sie ermöglicht bedürftigen Kindern aus der Nachbarschaft, einmal in der Woche an einem Englischunterricht teilzunehmen. Die Kinder werden dabei von Schülern der Sprachschule unterrichtet. Auch ich stellte mich als Lehrer zur Verfügung. Allerdings erlebten wir keinen Ansturm. Drei Lehrer betreuten zwei KInder. Den Kindern die Sprache beizubringen war ein reines Geduldsspiel, da sie fast keinerlei Vorkenntnisse hatten und wie für Kinder typisch eher ans Spielen als ans Lernen dachten.   

Die Altstadt von Cartagena

Mir blieben insgesamt vier Nächte und drei volle Tage, um die alte Kolonialstadt zu erkunden. Während Bocagrande mit seinen Touristenburgen komplett auf den Massentourismus ausgerichtet, versprüht die Altstadt noch den kolonialen Scharm wie vor 400 Jahren. Cartagena musste mehrere Piratenangriffe der Engländer abwehren und verfügt daher über gewaltige Stadtmauern und alte Festungsanlagen. Auch die Häuser sind im Kolonialstil erbaut und strahlen den einzigartigen Karibik Flair in Cartagena aus. Ich genoss esdurch die engen Gassen zu spazieren und die Zeit zu vergessen. Erst mit Einbruch der Dunkelheit wurde ich wieder an die Zeit erinnert und ich begab mich auf den Heimweg.

Die Altstadt ist fast immer belebt.  Während tagsüber die Touristen über die historischen Stadtmauern schlendern, treffen sich abends die jüngeren Menschen. Sie singen, tanzen und trinken auf den Straßen, bevor sie in die Clubs und Bars weiterziehen. Die Altstadt und das historische Zentrum sind auch nachts, trotz der aktuellen Flüchtlingskrise sehr sicher.

Castillo San Felipe de Barajas

Das Castillo San Felipe de Baraja ist eine riesige Festungsanlage am Rande des Zentrums von Cartagena. Die Festung wurde 1536, wenige Jahre nach der Gründung von Cartagena errichtet und 1657 auch als Folge zahlreicher Piratenangriffe, u.a. von Sir Francis Drake , erweitert. Heute gehört die Festung zusammen mit der Altstadt von Cartagena zu Recht zum Weltkulturerbe. Der Eintritt ist mit fast 10 € für kolumbianische Verhältnisse relativ teuer. Wenn man aber schon einmal in Cartagena ist, sollte man sich das Erlebnis nicht entgehen lassen, über die alten Festungsanlagen zu spazieren. Ähnlich wie in der Altstadt fühlte ich mich in das 16. und 17. Jahrhundert zurückversetzt, als Freibeuter die Karibik unsicher machten.

Flüchtlingskrise in Kolumbien

Anfang 2020 hatten laut UNO Flüchtlingshilfe bereits 4,8 Millionen Venezuelaner ihre Heimat verlassen. Auch Cartagena blieb von der Flüchtlingskrise nicht verschont. Anders als in Deutschland bekommen die Flüchtlinge in Kolumbien kaum Unterstützung vom Start und müssen sich versuchen, durch den Verkauf von Waren und schlimmstenfalls ihren eigenen Körper über Wasser zu halten. Besonders Gringos sind ihr Ziel und ich wurde von ihnen pausenlos angesprochen. Während ich am Anfang noch auf das „Gringo“ reagierte, gewöhnte ich mir sehr schnell an, allen Blicken auszuweichen. Ich wollte unter keinen Umständen in ein Gespräch verwickelt werden. Das war die einzige Möglichkeit, um überhaupt von A nach B zu gelangen.

Einmal lies ich mich auf ein Gespräch mit einem jungen Venezuelaner ein, der eisgekühltes Bier verkaufte. Er begleitete mich durch die gesamte Altstadt und zeigte mir ein paar Hotspots und war außerdem sehr freundlich. Dennoch war es für mich eine Stresssituation, und ich ließ meine Wertsachen keine Sekunde außer acht. Als ich schließlich seine Nummer nahm um ihn zu kontaktieren, falls er für mich irgendwelche Besorgung erledigen sollte, ließ er von mir ab. 

Cafe Havanna und das Nachtleben von Cartagena

Da ich bereits am Freitag Cartagena verlassen musste, hatte ich nur einmal die Gelegenheit, das Nachtleben der Kolonialstadt zu erkunden.  Am Mittwoch feiern wir in meiner Heimat das Bergfest. Angelique, meine Klassenkameradin und Stewardess aus den Niederlanden, hatte an dem Tag Geburtstag. Wir verabredeten uns im Cafe Havanna, einer stilvollen Bar mit Live Salsa Shows. In  ihr verkehren häufig berühmte Persönlichkeiten, wenn sie in die Stadt kommen. Zum Beispiel zählte bereits Hillary Clinton zu den Gästen. Dementsprend teuer waren die Getränke.

Allerdings hatten wir mit dem Rest von unserer Schulklasse Kommunikationsprobleme und eine Gruppe landete in einem anderen Club. Wir blieben allerdings in der Bar, um zur Live Musik unsere frisch erlernten Salsa Schritte auszuprobieren. Erst nach Mitternach zogen wir weiter in einen anderen Club. Allerdings war niemand aus unserer Klasse mehr anwesend. Angelique ging nach einer Weile. Ich blieb noch, bis ich mein restliches Bargeld ausgegeben hatte

Leider musste ich nach noch nicht einmal vier Tagen Cartagena verlassen, da ich am Samstag morgen von Santa Marta eine Dschungel Wanderung zur Ciudad Perdida gebucht hatte.

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