Mexiko – Zwischen Bürgerkrieg und Tourismus

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Cancun und die Mayastädte Coba

Coba Ruinen

Am 23. Mai betrat ich mit dem  Flughafen Cancun bei angenehmen 30°C nach einem elf stündigen Flug zum zweiten Mal in meinem Leben dem amerikanischen Kontinent. In den nächsten acht Tagen werde ich eine Rundreise durch die Halbinsel Yucatan machen und eine Sprachschule im Touristenort Playa del Carmen besuchen, bevor ich meine Reise in Kolumbien fortsetzen werde.

Zunächst holte ich mir am Flughafen einen Mietwagen, den ich zuvor über billiger-mietwagen.de gebucht hatte. Während der Vertragsabsprache lies ich, gewarnt von vielen Reiseberichten, mein Gepäck trotz meiner Müdigkeit nicht aus den Augen. Nach Erledigung aller Formalitäten machte ich mich gegen 18 Uhr auf den Weg in die Partymetropole Cancun, in der ich eine Übernachtung eingeplant hatte. Da ich am nächsten Morgen bereits weiter reisen wollte, beschloss ich trotz meines Jet Lags das berühmte Nachtleben von Cancun zu erkunden. Im Hotel angekommen, überfiel mich jedoch die Müdigkeit. Nach einen halbstündigen Powernap machte ich mich auf die Erkundungstour durch die Zona Hotelera. Nachdem ich gegessen hatte, verkaufte mir ein Promoter ein All-you-can-drink Ticket für einen offenen Club. Der Alkohol half mir und den anderen Gästen, in eine ausgelassene Partystimmung zu kommen.

Am nächsten Tag wurde ich mit  gegen 12 Uhr von dem Rezeption geweckt. Ich musste ausschecken. In Deutschland hatten wir jetzt 19 Uhr. Ich packte meine Sachen, checkte aus und machte mich auf den Weg zu der Mayastätte Coba. Nachdem ich an einer Tankstelle ein kleines Frühstück, dass hauptsächlich aus Hot Dogs und Energy Drinks bestand eingenommen hatte, erreichte ich 45 Minuten vor Schließung Coba. DIe Stätte wurde während der klassischen Mayazeit (600 – 900 n. Chr) erbaut und war eine der größten in Yucatan. Allerdings war sie bei Ankunft der Spanier schon verlassen. Im Gegensatz zu anderen Maya Stäten wie Chichén Itzá ist sie nicht überlaufen und auch Touristenfallen sucht man hier vergeblich. Die 42m hohe Pyramide El Castillo ist die einzige Maya Pyramide, die von Touristen bestiegen werden kann. Insgesamt erstreckt sich das Areal über 70 km², von denen allerdings nur das Zentrum dicht bebaut war. Teilweise gepflasterte Straßen führen durch den Regenwald, die bis ins 42 km entfernte Tulum und fast bis nach Chichén Itzá führen. Da das Gelände relativ weitläufig war und ich mir die Besteigung der Pyramide nicht entgehen lassen wollte, ließ ich mich von einem Fahrradtaxi zu den Hauptattraktionen bringen. Der Ausblick über das Dach des Regenwalds von dort war fantastisch, und die Anstrengungen bei über 40°C wert. Nach nur 45 Minuten machte ich mich wieder auf den Weg nach Merida. Da ich mich gegen die kostenpflichte Schnellstraße 180D entschied, führte meine Tour durch viele kleine mexikanische Dörfer. Im Gegensatz zur Partymetropole Cancun, die mit ihren Hotels protzt, kam ich hier das erste mal mit der Armut in Lateinamerika in Kontakt. Viele Dörfer wirkten trostlos und heruntergekommen, Männer dösten auf in der MIttagshitze und bettelnde Kinder umringten mein Auto, sobald ich an einer Kreuzung oder Ampel anhalten mussten. Die Straßen sind gepickt mit riesigen Bodenwellen, die die Fahrt in die Länge ziehen. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichte ich schließlich Merida, die Hauptstadt des Bundesstaats Yucatan.

West Yucatan - Merida und Uxmal

Koloniestadt Merida

Merida war die erste klassische spanische Kolonialstadt, die ich besuchte. 1542 wurde die Maya Stadt Ti’ho’ von Francisco de Montejo, dem jüngeren in Merida unbenannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte Merida zu den reichsten Städten der Welt, was man heute an den architektonischen Bauten in der Innenstadt erkennen kann. Besonders sehenswert sind der große Zócalo und die große Kathedrale. Fast jeden Abend finden hier Open Air Veranstaltungen Stadt. Merida zählt zu den sichersten Städten Mexikos, allerdings ist es hier mit 40 °C im Sommer sehr heiß. In Merida genoß ich auerßdem das erste mal echte mexikanische Küche.

Uxmal

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg ins 80 km südlich gelegene Uxmal, der mit Chichén Itzá bedeutenstens Mayastädte der Yucatan Halbinsel. Erste Spuren Uxmals reichen bis ins 4. Jahrhundert nach Christus zurück, seine Blütezeit erlebte die Stätte zwischen 800 und 1.000 n. Chr. Zur Ankunftszeit der Spanier war sie allerdings verlassen. Das Highlight von Uxmal ist die Pyramide des Zauberers, die der Legende nach von dem Magier in einer einzigen Nacht errichtet wurde. Ungewöhnlich für den Mayastil sind der ovale Grundriss (85 x 50m) und die abgerundeten Kanten. Besonders an Uxmal sind neben seiner Pyramiden  große rechteckige Plätze, die sog. Cuadrángulos. Die bedeutensten sind der Cuadrángolo de los Pájaros und der Cuadrángulo de las Monjas. Die Anlagen sind im Puuc-Stil gebaut, dessen Charakter schmucklose, glatte untere Mauerflächen und verzierte obere Bauteile sind. Tagsüber ist es hier mit über 40°C ebenso wie in Merida fast unerträglich heiß. Die Fahrten zu den Mayastädten sind trotz der Strapazen ein absolutes Muss für Mexiko Urlauber. Es ist einfach atemberaubend, vor einer solchen Pyramide zu stehen. Neben der Pyramide des Zauberers existiert noch die 30m hohe „große Pyramide“, die sich über eine steile Treppe auch besteigen lässt.

Die Rückfahrt nach Merida führte vorbei an einigen schwer befestigten Kontrollpunkten der Polizei, die leider aufgrund des langjährigen Drogenkrieg mit über zum Alltag in Mexiko gehörten. Er hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft und fordert mittlerweile 30.000 Todesopfer pro Jahr. Die Halbinsel Yucatan machte auf mich allerdings einen sehr sicheren Eindruck. Nachdem ich den Abend wieder in Merida verbracht hatte, machte ich mich am nächsten Tag in Richtung Playa del Carmen auf. Auf dem Weg dorthin liegen Chichén Itzá und die Zenote Ik Kil.

Chichén Itza - das neue Weltwunder

Chichen Itza

Chichén Itzá ist die berühmteste Mayastätte in Mexiko und zählt zu den sieben neuen Weltwundern. Zu der Anfagnsgeschichte ist wenig bekannt, die ersten Bewohner siedelten sich zwischen 455 und 495 an dem Ort an. Die berühmte Kukulkán-Pyramide, von den Spaniern auch El Castillo genannt, wurde zwischen 800 – 1.100 n. Christus von den Mayas und Tolketten errichtet. Neben El Castillo zählen der Templo de los Guerros (Kriegertempel) und dem Juego de Pelota (große Ballspielplatz) zu den wichtigsten Sätten Chichén Itzás. Leider machte ich den Fehler, mir die Anlagen zur Mittagszeit bei 40 Grad im Schatten anzuschauen. Daher hatte ich mir die Abkühlung in der Cenote redlich verdient. Bei der Hitze genoß ich das kühle Nass in dem Paradies umso mehr, bevor ich mich auf den Weg nach Playa del Carmen machen konnte.

Cenote Ik Kil

Sprachschule in Playa del Carmen und der Besuch von Tulum

Die nächsten fünf Tage würde ich in Playa del Carmen bei meiner Gastmutter Maria verbringen. Leider hatte ich von der Sprachschule eine falsche Nummer erhalten, sodass mir Einheimische aus der Patsche helfen mussten. In der Nähe war eine Unterkunft der Sprachschule, die mich zu der Gastfamilie brachte. Meine Gastmutter Maria wird aufgrund ihrer liebenswürdigen Art von den Schülern „Mama Mexicana“ genannt wird. Als sie in Rente ging, entschied sie sich am Meer zu wohnen und zog von Mexico CIty nach Playa del Carmen und ließ sich als Gastmutter für die Sprachschule registrieren. Ihr beiden Erwachsenen Kinder leben weiterhin in der Hauptstadt. Das Leben in einer Gastfamilie ist für mich persönlich die beste Methode, sowohl die Landessprache als auch die Kultur des Landes schnell zu lernen.In den folgenden Tagen lernte ich verschiedene mexikanische Gerichte kennen, am ersten Tag zeigte sie mir den Weg zur Sprachschule, wir unterhielten uns morgens und abends häufig über das Leben in Mexiko und Europa und die politische Situation, über die sie sehr beunruhigt ist.

Die Klassen in der Sprachschule waren sehr klein und meine Klasse bestand neben mir nur aus einer weiteren Schülerin. Das Niveau der Schule war allerdings sehr gut und die Atmosphäre familär. Zudem bot die Schule mehrere kostenlose Freizeitaktivitäten, u.a. ein Salsa Stunde und einen Kochkurs an. Für mich war es die erste Erfahrung mt südamerikanischen Tänzen. In Kolumbien würde ich später ebenfalls Salsastunden nehmen und zurück in Leipzig meldete ich mich dann für einen Salsakurs an. Obwohl ich kein guter Tänzer bin, konnte ich die Basisschritte schnell erlernen.

Auch sonst deutete vieles darauf hin, dass Ende Mai in Playa Nebensaison war. In den Straßen wurde ich von Verkäufern für Abenteuertouren belagert. Leider konnte ich kein Angebot annehmen, da ich morgens zur Schule ging und am Freitag bereits wieder nach Kolumbien abreisen würde. Neben den Verkäufern haben sich in der Stadt trotz Militär- und Polizeipräsenz auch Narcosdealer breitgemacht, die in den meisten Fällen nicht älter als 14 Jahre waren. Am Tag wurde ich mindestens 15 mal von ihnen angesprochen. Obwohl ich immer ablehnte, blieben sie freundlich und ich fühlte mich als Tourist nicht bedroht. Teilweise verkauften die Teenager ihre Ware sogar direkt neben Militärpolizisten, die sich nicht genötigt sahen, das Treiben zu unterbinden.

Auch in der Nebensaison war Playa del Carmen eine einzige Partymeile und ich lies keine Nacht ungenutzt in das Nachtleben einzutauchen. Eine der besten Partynächte erlebte ich im Coco Bongo, das eine mega Show bot, die für einen Nachtclub einzigartig ist. Der Eintritt ist mit 75 $ alles andere als günstig, dafür kann man die ganze Nacht frei trinken. Mit einem speziellen Pass, den u.a. Einheimische und Mitglieder der Sprachschule erhalten, betrug der Eintritt 28 $. Hier verbrachte ich auch meine letzte Nacht in Mexiko, bevor ich weiter nach Medellin flog. 

Die Zeit in Playa del Carmen nutzte ich außerdem für einen Nachmittagsausflug nach Tulum, dem 55 km südlich gelegenen Badeort der Mayas. Tulum ist auch aufgrund des naheliegenden Strands die meistbesuchte Mayastädte Mexikos und liegt direkt am Karibikstrand. Sie ist die östlichste Mayasiedlung und war in ihrer Blütezeit zwischen 1.200 – 1.400 n. Chr. eine blühende Handelsstadt. Architektonisch zählt die Stätte allerdings nicht zu den Highlights der Mayakultur was die schöne Natur allerdings mehr als wettmacht. Tulum ist von Playa del Carmen gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Auf der Rückfahrt traf ich auf eine Gruppe argentinischer und mexikanischer Frauen, die ebenfalls Tulum besucht hatten und mir halfen, nachdem ich meinen deutschen Charme spielen lassen hatte, meine Sprachkenntnisse auf angenehme Weise zu verbessern.

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