Latino Party in der Fanzone

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Moskau, 17.6.2019 Mexiko: Deutschland 1:0

Gegen 15:15 Uhr landete ich am Moskauer Flughafen Vnukova. Zu diesem Zeitpunkt war  ich seit über 30 Stunden auf den Beinen, da mein Flieger um 10:15 Uhr vom Flughafen Baden-Baden startete und ich nachts zuvor bereits anreisen musste. Alex, ein guter Freund von mir, hatte eine spätere Maschine aus München genommen und würde abends in Moskau landen. Die ersten Rubel hatte ich bereits in Deutschland eingetauscht, da die Wechselkurse an russischen Flughäfen mehr als wucherhaft sind. Von Vnukova ging es mit dem Schnellzug, dem Aeroexpress ins Zentrum. Vorm Einsteigen gab mir ein Polizist ein paar Tips und führte mich zu den komfortabelsten Plätzen, im Gegenzug brachte ich ihm einige Wörter auf Englisch bei. Ich war überrascht über die Freundlichkeit der Russischen Beamten, da ich sie bei meinem ersten Russlandaufenthalt vor einem Jahr in Sankt Petersburg bei jeder Gelgenheit noch gemieden hatte.

In Moskau angekommen fragte ich mich durch zu unserer Unterkunft, die wir einen Monat vorher über booking.com gebucht hatten. An der vermeintlichen Adresse angekommen stand ich vor einem Hochhaus. Nichts deutete darauf hin, dass es sich hier um ein Hotel oder ähnliches handelte. Als ein Jugendlicher das Haus verließ, sprach ich ihn an. Zum meinem Glück sprach er gutes Englisch. Er wusste nichts von einer Unterkunft. Gemeinsam riefen wir dort an und der Vermieter teilte uns mit, dass er mich in seiner Privatwohnung unterbringen würde. 20 Minuten später wurde ich von seiner Frau abgeholt. Ich folge ihr und versuchte mich in gebrochenem Russisch mit ihr zu unterhalten.

Zum Zeitpunkt unserer Buchung war Moskau für die WM nahezu komplett ausgebucht. Das vermeintliche Schnäppchen war ein kleiner Schock. Auf ca. 50 m² waren vier Gruppen mit insgesamt neun Personen einquartiert. Wir teilten uns zu zweit ein ca. 7m² großes Zimmer. 350 Euro hatten wir für zwei Übernachtungen bezahlt. Schlimmer hatte es zwei Engländer erwischt. Sie teilten sich ein 3m² großes Zimmer. Dort konnte ich die letzten Minuten des Eröffnungsspiels sehen. Nach der Schlüsselübergabe machte  ich auf zum Treffen mit Alex. Er war inzwischen gelandet und der Russischen Sprache kaum mächtig. Ich dirigierte ihn zu einem Treffpunkt an der Newa. Von dort begaben wir uns zu unserer Unterkunft. Alex war noch mehr geschockt als ich und versuchte direkt in benachbarten Hotels eine Unterkunft zu bekommen, jedoch waren alle ausgebucht.

Nachdem der erste Schock überwunden war, gingen wir zum nahegelegenen Arbat, der Flaniermeile Moskaus mit seinen Straßenkünstlern, Shoppingcentern, Galerien und Portraitmalern. Nachdem wir gegessen hatten, trafen wir auf eine Gruppe Russen, die gemeinsam mit Touristen mitten auf dem Arbat ein Fußballspiel austrugen. Wir schlossen uns dem Spiel an, dass allerdings nach ein paar Minuten von der herbeieilenden Moskauer Polizei unterbrochen wurde.

Um 2 Uhr nachts waren wir zurück in unserem Zimmer. Obwohl ich seit inzwischen über 40 Stunden wach war, konnte ich kaum schlafen. Die Betten waren einfach extrem unbequem, was sich direkt auf unsere Rücken auswirkte.

 

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur Fanzone, die sich allmählich füllte. Wenige Deutsche und Europäer, mit Ausnahme der Isländer, hatten die Reise nach Russland auf sich genommen, dafür aber umso mehr Fans aus anderen Kontinenten,  insbesondere aus Lateinamerika. Und Letztere verwandelten die Fanzonen in ganz Russland in eine große Fiesta. Aber nicht nur in den Fanzonen wurde gefeiert, auch aus dem roten Platz vor dem Kreml wurde ein einziges Fanmeer. Die Stimmung steigerte sich von Stunde zu Stunden.

Im Vorfeld der WM wurde befürchtet, dass die berüchtigten russischen Hooligans die russischen Städete in ein Schlachtfeld verwandeln würden. Die brutalen Straßenschlachten zwischen Russen und Engländern in Marseille bei der EM 2016 waren noch in frischer Erinnerung. Freunde hatten mir damals von der Reise abgeraten, weil sie zu gefährlich sei. Das Sicherheitskonzept der russischen Förderation funktionierte jedoch blendend und ich wurde zu keinem Zeitpunkt Zeuge einer gewaltsamen Auseinandersetzung.

Vor dem Spiel Mexiko : Deutschland in Moskau fielen besonders die mexikanischen Fans durch ihre Verkleidungen und Fangesänge auf. Wenn wir, eingehüllt in den deutschen Nationalfarben, auf mexikanische Fans trafen, dauerte es nicht lange, bis uns Einheimische fragten, mit Ihnen ein Foto zu machen, was weitere Fans anzog. So standen wir manchmal über eine Stunde Arm in Arm mit russischen und mexikanischen Fans und ließen uns fotografieren. Das Bier auf der Fanmeile sorgte dafür, dass unsere Stimmung weiter anstieg. So kam es, dass wir insgesamt drei Interviews  dem australischen, kolumbianischen und mexikanischen Fernsehen gaben, in denen wir erläuterten, warum die deutsche Nationalmannschaft die beste der Welt ist und das Turnier in Russland souverän gewinnen wird (jaja, Hochmut kommt  vor dem Fall 😉 ) und warum James Rodriquez eine Bereicherung für den deutschen Fußball ist. Gemeinsam mit der mexikanischen Moderatorin sangen wir in unseren Deutschland Trikots mexikanische Fangesänge. In der Nacht trafen sich die hartgesottenen Fans noch zur nächtlichen Fiesta in der Nikolskaya Straße.

Am Spieltag der deutschen Nationalmannschaft versuchten wir erfolglos noch Karten für das deutsche Spiel gegen Mexiko zu bekommen. Wir wurden dafür aber als Zeuge des mexikanischen Fanaufmarchs zum Stadion. Als Azteken verkleidete Fans führten alltertümliche Tänze vor und ein  Mexikaner machte sich auf dem Rücken von Donald Trump auf den Weg ins Stadion. Das Spiel verfolgten wir dann wieder auf der Fanzone gemeinsam mit einer Gruppe Mexikanern, die im Baltikum lebt. Der Start der Mannschaft in das Turnier verlief überaus unglücklich und Deutschland verlor verdient mit 1:0. Wir ließen uns jedoch direkt nach Spielende von der Freude der Mexikaner anstecken und feierten gemeinsam mit ihnen. Am nächsten Tag flog Alex wieder zurück nach Deutschland und für mich began eine 1-wöchige Sprachschule. Während dieser Zeit sollte ich in einer russischen Gastfamilie leben.

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