Über Akkon und Haifa nach Jerusalem – Kreuzfahrerstadt, Banai Gärten und heilige Stadt

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Akkon und das Erbe der Kreuzfahrer

Bereits bei meiner Reiseplanung hatte ich mich dazu entschlossen, über den Umweg Akkon und Haifa nach Jerusalem zu fahren, um mir die Kreuzfahrerstadt und die Bahai Gärten anzuschauen. Die Strecke von Nazareth nach Akkon beträgt ca. 40 km. Akkon ist eine der am längsten besiedelten Städte im Nahen Osten, die schon in der Bronzezeit (ca. 3.000 – 1.200 v. Chr.) bewohnt wurde. Die Stadt hat eine ereignisreiche Geschichte mit wechselnden Besatzungsmächten hinter sich, die ich im Schnelldurchlauf beschreiben möchte. 333 v. Chr. erhielt die Stadt von Alexander dem Großen das Münzprägerecht. Nach seinem Tod übernahmen die ägyptischen Ptolemäer die Stadt, nur um sie 200 v. Chr. an die aus Syrien stammenden Seleukiden zu verlieren. Unter Pompeius wurde die Stadt dann für 200 Jahre von den Römern verwaltet. 638 n. Chr. eroberten die Araber Akkon, deren Herrschaft 1104 endete, als ein Kreuzfahrerheer die Stadt einnahm. 1187 fiel die Stadt für vier Jahre an Saladin, ehe sie im 3. Jahrhundert von Richard Löwenherz und Philipp II. zurückerobert wurde. In dieser Zeit wurden Akkon das Tor für die Europäer zum heiligen Land. 1291 wurde sie schließlich von den Mamelucken erobert und, um jegliche Rückeroberungsversuche bereits im Voraus zu verhindern, schließlich komplett zerstört. 450 Jahre lang lag sie in Ruinen, bevor der bosnische Söldner Ahmed Pascha sie wieder errichtete. Einige Jahre später, 1799 startete Napoleon einen Versuch, die Stadt einzunehmen, was ihm auch aufgrund der englischen Flotte nicht gelang. Akkon blieb bis zum Ende des 1. Weltkriegs in osmanischer Hand, ehe die Briten im September 1918 den Norden Palästinas eroberten. Im israelischen Unabbhängigkeitskrieg fiel die Stadt schließlich an jüdische Streitkräfte und gehört heute zum Staat Israel.

Die Altstadt von Akkon, die hauptsächlich von Arabern bewohnt wird, lässt sich innerhalb von einem Tag erkunden. Ich hatte für meinen Aufenthalt maximal drei Stunden Zeit, weshalb ich nur die Rittersäle, den Templertunnel, das Okashi Art Museum, in dem ich mich fünf Minuten aufhielt, sowie die Stadtmauern und die Gassen der Altstadt besuchte. Besonders empfehlenswert sind die Rittersäle. Mithilfe des Audiguides und animierten Projektionen an den Wänden erwacht hier das Mittelalter der Templerritter zu neuem Leben. In zwei Stunden konnte ich in eine längst vergangene Zeit eintauchen.

Nicht ganz so spektakulär, aber trotzdem einen Besuch wert ist der Templertunnel, der erst 1994 durch Zufall entdeckt wurde. Er verband damals den Hafen mit einer Festung der Tempelritter.  Auf dem Weg zu den Sehenswürdigkeiten verlief ich mich nicht nur einmal in den engen Gassen der Altstadt. Daher ging ich auf dem Rückweg zu meinem Auto über die Stadtmauern. Gerne hätte ich noch mehr Zeit in der Stadt verbracht und mir z.B. auch das Mauerschatzmuseum angeschaut, aber ich hätte ansonsten keine Gelegenheit gehabt, mir die Bahai Gärten in Haifa anzuschauen.

Die Bahai Gärten von Haifa

Von Akkon machte ich mich auf den Weg in das nur 25 km südlich gelegene Haifa. Leider musste ich mich wieder durch den Berufsverkehr an der Mittelmeerküste Israels kämpfen. Auch die Mautstation auf dem Weg half nichts gegen das Gedränge. Nach 1 1/2 Stunden Fahrtzeit erreichte ich schließlich Haifa. Der Hafen der Stadt existiert bereits seit dem 14. Jahrhundert vor Christus. Während der Kreuzzüge wurde sie ebenfalls von den Kreuzfahrerrittern eingenommen, verlor aber schnell an Bedeutung gegenüber Akkon. Im 19. Jahrhundert nahm die Einwohnerzahl durch jüdische Migration allerdings wieder stark zu. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Haifa der erste Anlaufpunkt von jüdischen Flüchtlingen, die sich auf den Weg in das heilige Land gemacht hatten. Zunächst war Haifa aufgrund seiner Schwerindustrie eine Arbeiterstadt. Heute ist Haifa hingegen eine Hightech-Hochburg, in der sich u.a. Niederlassungen von Google, Intel und IBM befinden.

Aufgrund meiner Verspätung konnte ich mir nur den unteren Teil der Bahai Gärten anschauen, sowie einen Blick über das Areal von einer Aussichtsplattform werfen. Es gibt geführte Touren durch die Gärten in englischer Sprache, die täglich um 12:00 Uhr starten.

Das Bahaitum ist eine Religion mit 8 Millionen Anhängern, die sich zum Ziel gesetzt hat, die drei Weltreligionen zu vereinen. Sowohl Bibel als auch Koran zählen daher zu ihren den heiligen Schriften. Die Unterschiede zwischen den Religionen sind ihrer Ansicht nach durch kulturelle Differenzen entstanden.

Die Bahai Gärten sind auf über 19 steilen Terrassen angeordnet und die wichtigste Sehenswürdigkeit in Haifa. In dem Schrein werden die Gebeine des Bab, dem Vorgänger des Bahai Propheten Baha’ullah, aufbewahrt. Er wurde 1850 nach Verfolgung und Gefangenschaft hingerichtet. Seine Anhänger schafften es jedoch, sein Skelett zu verstecken und 1909 nach Haifa zu schmuggeln. Der Ausblick über diese Grünanlagen ist einfach nur herrlich. Dennoch bereute ich es, dass ich nicht an der Tour teilnehmen konnte.

Aus Zeitgründen machte ich mich nach einem kurzen Aufenthalt in Haifa auf den Weg nach Jerusalem, um meinen Mietwagen abzugeben. Es war schon ein aufregendes Gefühl als ich abends in die Stadt fuhr. Ohne es zu wissen, fuhr ich auch kurz an den Altstadtmauern vorbei, ohne sie als solche zu erkennen. An dem Abend blieb ich nur im Westteil von Jerusalem, einer modernen, westlichen Stadt. Hier sah ich allerdings das erste Mal in meinem Leben eine Menge orthodoxe Juden, gekleidet in ihren schwarzen Anzügen und Hüten. Nachdem ich meinen Mietwagen abgegeben hatte, machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Abraham Hostel, in dem ich auch schon in Tel Aviv eine Nacht verbracht hatte. Unterwegs kam ich noch an der US-Botschaft vorbei, die 2019 von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wurde, und der Auslöser für den Great March of Return im Gazastreifen war.

Auf dem Zimmer traf ich dann Jana wieder, die ebenfalls an der Tour zu den Golanhöhen teilgenommen hatte. Sie überredete mich, ohne sich dabei allerdings besonders anstrengen zu müssen, an einer vom Hostel organisierten Kneipentour teilzunehmen. Da in Jerusalem mittwochs nicht viel los ist, tranken wir gemütlich ein paar Bier und waren bereits gegen 2 Uhr wieder zurück im Hostel. Da ab ca. elf Uhr abends in Israel in den Läden kein Alkohol mehr verkauft werden darf, gingen wir relativ schnell in unsere Betten. Hier verschickte ich noch ein paar Fotos als mein Handy plötzlich mehrmals stark vibrierte. Der Alarm kam von meiner Raketenapp für Israel: Zwei Raketen wurden auf Sderot abgeschossen, den Ort, den ich vor zwei Tagen besucht hatte.

Zu dem Bericht habe ich auch ein YouTube Video mit den besten Bildern von Akkon und Haifa gemacht. Du findest es hier:

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